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RSSPrint

Konfirmandenfahrt
nach Ravensbrück

60 Personen machten sich über Christi Himmelfahrt - vom 29. Mai bis zum 1. Juni 2019 - auf den Weg zum nördlichen Rand Brandenburgs. Eine seenreiche, idyllische Landschaft am Schwedtsee wartete auf uns. Wir wohnten in der Jugendherberge in Ravensbrück. Die Idylle war trügerisch. Die Räume, in denen wir untergebracht waren, wurden einst von den Aufseherinnen des Frauenkonzentrationslagers genutzt, dessen Gelände sich direkt anschließt.

Wir wollten Gemeinschaft entwickeln, miteinander viel Spaß haben, uns kennen lernen und wir wollten Gedanken anstoßen, Impulse setzen. Deshalb gaben wir unserer Reise die thematische Überschrift „Hand und Name“. Beide Begriffe stehen für Identität und Würde, für die Einmaligkeit des von Gott ins Leben gerufenen Menschen. Hebräisch heißt „Hand und Name“ Yad Vashem. Es ist der Name der internationalen Holocaustgedenkstätte in Jerusalem.

Über drei Tage hinweg formten wir Hände aus Gips. Sie umfassen sich, halten zusammen oder umschließen einen Stein als Zeichen des ewigen Gedenkens. Auf jedem Stein oder auf jeder Hand steht der eigene Name.

An Christi Himmelfahrt wirkten wir im Gottesdienst in Fürstenberg mit und machten eine Wasserwandertour. Am Freitag wurden wir von geschulten Pädagogen über das Gelände des Lagers geführt. Wir waren von der Aufmerksamkeit und den Fragen der Jugendlichen tief bewegt.

Was eine Reise letztlich gelingen lässt, ist die Summe aus vielen Einzelaspekten, und bleibt immer auch ein Geheimnis. Deshalb nenne ich ausgewählte Dinge, die mir noch sehr in vor Augen stehen:

Eindrucksvolle Andachten, mitsingende KonfirmandInnen, hohe Bereitschaft, andere zu integrieren, Freude am Malen, Schauspielern, Pokern, Sitzen am Lagerfeuer und vor allem: genderverbindendes Fußballspielen, vor allem einmal im Starkregen und barfuß.

Jannik, ein erfahrener Teamer, schrieb nach der Reise: „Es war auf jeden Fall die beste Konfafahrt, auf der ich bisher war. Ich finde, wir als Team haben super funktioniert und haben uns auch super gut zusammengefunden.“

An dieser Stelle danke ich den Leitenden Elisabeth Schulze, Leonie Juschka und Hendrik Zeidler, dass sie mich - kurzfristig angesprochen - begleitet haben. Und ich danke den phantastischen TeamerInnen, die sich aus ganz frisch Konfirmierten, bewährten Jugendlichen und „alten Hasen“, die teilweise schon das Ende der Schullaufbahn erreicht haben, zusammensetzten. TeamerInnen waren auf dieser Reise: Laura Lenkait, Hanna Emmrich, Greta Theden, Franka Eisenhauer, Anna Gaedke, Leonard Unteutsch, Jannik Steffen, Alex Gießler, Otto Weisser und Kolya Merrill.

Am Morgen des Gedenkstättenbesuchs wollten wir die neuen KonfirmandInnen auf diesen besonderen Ort vorbereiten. Eindrucksvoll erzählte Hendrik Zeidler von seinem Besuch der Gedenkstätte Yad Vashem, und Kolya, der erst im Mai konfirmiert wurde, hielt folgende kurze Ansprache:

„Zahlen: 6 Millionen (Jüdinnen und Juden). Verfolgt, erniedrigt, deportiert, inhaftiert, erschossen, vergast.

Namen ersetzt durch Zahlen. Persönlichkeiten entfernt, relativiert, zu Objekten gemacht, ermordet.

Familien gewaltsam auseinandergerissen, das Band zerstört, ermordet.

Und was bleibt? Die Scherben einer Generation, eines Jahrhunderts. Wir tragen keine Schuld. Aber wir tragen die Aufgabe und die Verantwortung, diesen Scherbenhaufen mit Würde und Respekt zusammenzuführen, um so vielleicht eines Tages wieder zueinander zu finden.“

Michael Juschka

Letzte Änderung am: 06.07.2019