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RSSPrint

Monatsspruch Juni 2018

Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt!” (Hebräer 13,2)

Ein Gemälde der Gastfreundschaft –
in fünf Mosaiksteinen

1. Mosaikstein: Fiji, 2007

Im Rahmen eines Begegnungspraktikums war ich mit einer Gruppe angehender Pfarrerinnen und Pfarrer für einige Wochen in dem paradiesisch schönen, aber zugleich oftmals sehr armen Inselstaat unterwegs. Wo auch immer wir hinkamen, begegneten uns offene Türen und Herzen. Menschen schliefen auf dem Boden, damit wir ihr Bett nutzen konnten, luden uns zu Festen und zu zahllosen Mahlzeiten ein.

Eine berührende Erfahrung, wie Reisende sie überall auf der Welt machen. Nachdenklich gemacht hat mich jedoch eine junge Pfarrerin aus Südkorea, die zu unserer sehr internationalen Gruppe gehörte. Sie wolle vor allem diese Freude an der Gastfreundschaft mit nach Hause nehmen, sagte sie. Denn in ihrer Kultur sei Gastfreundschaft zwar ebenfalls ein hohes Gut, zugleich so perfektioniert, dass die Freude daran verloren ginge. Stundenlang würden das Menü geplant, der Tischschmuck bedacht und die Abläufe abgestimmt. Ein wenig habe ich mich ertappt gefühlt bei ihren Worten.

2. Mosaikstein: Schlachtensee, 2017

Händeringend wurden Menschen gesucht, die ihr Zuhause öffneten für die Vielen, die zum Kirchentag kommen wollten, aber nicht auf Isomatten in Sammelunterkünften übernachten wollten oder konnten. Die Suche nach Gastgeberinnen und Gastgebern war in Berlin mühsamer als an anderen Orten. In unserer Gemeinde fanden sich jedoch viele, die gerne jemanden aufnahmen. Oft kam es dabei zu interessanten Gesprächen und Begegnungen.

3. Mosaikstein: Spanien, Anfang des 17. Jahrhunderts

Der 1596 in Madrid geborene Maler Juan van der Hamen y León arbeitete am spanischen Königshof. Seine flämischen Wurzeln sind nicht nur in seinem Namen, sondern auch in seinen Werken sichtbar. Er malte viele Stillleben und Porträts.

Zu den wenigen biblischen Bildern gehört das hier gezeigte Bild „Abraham und die drei Engel”. Das genaue Entstehungsjahr ist nicht bekannt. Das Motiv ist keineswegs willkürlich gewählt. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts stellte die Geschichte von Abraham eine populäre Form dar, das in Spanien bedeutende Gebot der Gastfreundschaft gegenüber Fremden zu verdeutlichen.

4. Mosaikstein: Schlachtensee, heute

Nachdem das Kirchenasyl für zwei junge Männer, die in unserer Fluchtwohnung untergebracht waren, in dem einen Fall erfolgreich beendet werden konnte und in dem anderen an einem anderen Ort weitergeführt wird, bereiten wir uns auf neue Gäste vor: aller Voraussicht nach wird in diesen Tagen eine aus Afghanistan geflohene Mutter mit fünf Kindern zwischen 3 und 19 Jahren hier einziehen. Mögen sie hier einen sicheren Ort finden, an dem sie sich willkommen fühlen und für einen Moment zur Ruhe kommen können.

5. Mosaikstein: Mamre, 2. Jahrtausend v. Chr.

Es ist ein heißer, staubiger Tag. Ein Mann sitzt vor seinem Zelt. Da sieht er drei Männer, Fremde. Er springt auf, lässt Wasser holen. Seine Frau bittet er, Brot zu backen. Er lässt ein Kalb schlachten und bewirtet die Fremden. Sie sind seine Gäste und ihm willkommen. Der Mann heißt Abraham, seine Frau Sarah. Ihre Gastfreundschaft wird Folgen haben, denn die Fremden sind Boten Gottes. Sie bringen Segen: Sarah wird schwanger.

Es ist eine der großen Geschichten über die Gastfreundschaft. Ihr kommt ein besonderer Stellenwert zu: Sie steht im 1. Buch unserer Bibel, legt eine Grundlage für die Art, wie Menschen miteinander leben sollen. Der Hebräerbrief im Neuen Testament greift diese Geschichte wieder auf: „Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt.“

Ihnen allen, liebe Leserinnen und liebe Leser, wünsche ich gesegnete Sommerwochen! Mögen sich viele Gelegenheiten ergeben, voller Freude Gastfreundschaft zu üben und auch, selbst Gäste zu sein.

Ihre Sonja Albrecht

Letzte Änderung am: 21.06.2018