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Kirche für Einsteiger:

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Pilgern

Das Pilgern gibt es schon sehr lange. Der erste Pilger war laut der Bibel Abraham, Urvater des Judentums, des Christentums und des Islams. So hat jede Religion ihre eigenen Pilgerzeiten und Gewohnheiten. Traditionell brachen in der Fastenzeit viele christliche Pilger nach Rom auf, wo auf dem Petersplatz der Papst zu ihnen sprach und dies auch heute noch tut. Juden pilgerten zu ihren Wallfahrtsfesten Pessach, Schawout und Sukkot nach Jerusalem auf den Tempelberg. Dort standen einst zwei Tempel, von denen allerdings heute nur noch die Klagemauer steht. Muslime haben einen eigenen Pilgermonat, den Dhul-Hidscha. In ihm sollte jeder Muslim einmal in seinem Leben nach Mekka gepilgert sein. Der Hadsch, wie diese Pilgerreise genannt wird, ist eine der fünf Säulen des Islam. Auch die Hindus kennen das Pilgern. Zwischen Januar und März findet in Indien in jedem dritten Jahr eine Völkerwanderung statt, wenn wenn Millionen Hindus zum Krugfest an einen heiligen Fluss pilgern. Auch bei den Buddhisten spielt das Pilgern eine große Rolle. Neben den Wirkungsorten Buddhas zählen auch Reliquien­schreine mit den sterblichen Überresten oder Gebrauchsgegenständen Buddhas als Heiligtümer, zu denen gepilgert wird.

Im Mittelalter pilgerten Menschen, um sich auf ihrem Glauben zu besinnen und um Buße zu tun. Wer pilgerte, unternahm eine Reise zu einem heiligen Ort. Pilger waren oft lange unterwegs, meistens zu Fuß. Mit der Reformationszeit nahm das Pilgern ab. Martin Luther verglich Pilgern mit dem Ablasshandel. Heute pilgern Menschen auch aus nicht-religiösen Gründen. Sie wollen ihren Alltag vergessen, sich auf wesentliche Dinge in ihrem Leben konzentrieren, mit sich in einen inneren Monolog treten, oder einfach der Natur näher sein. Dabei geht es nicht mehr darum, an einem bestimmten Ort anzukommen, sondern der Weg ist das Ziel sowie die Erfahrungen, die unterwegs gesammelt werden und die Menschen, die einem begegnen. Pilgern heißt das Nötigste in einen Rucksack packen, den Alltag hinter sich lassen und von diesem aufzubrechen. Das Gewohnte auf-brechen, einen ersten Schritt wagen, ohne den zweiten zu kennen, eine haltende Hand zu spüren. Weg-gehen von der Routine, vorwärts gehen, im Gehen Zeit zum Atmen haben und die Sinne anfüllen. Weit-blicken zu neuen Horizonten, rück-blicken auf Gutes und Manches loslassen, durch-blicken und Zusammenhänge neu erkennen, ein-blicken und sich selbst wahrnehmen, aus-blicken auf unbekanntes Terrain und neue Perspektiven entdecken. Und schließlich an-kommen, an einem Ort, einem Gefühl, einer Gewissheit und möglichst dem inneren Frieden.

Beatrix von Foerster

Letzte Änderung am: 01.03.2022