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Pfingsten?

Eine kleine Erklärung aus jüdischen Wurzeln

In Apostelgeschichte 2 wird von einem außergewöhnlichen Ereignis berichtet und dieses wird an den Pfingsttag gebunden: „Und als der Tag von Pfingsten gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander“ (Apostelgeschichte 2,1).

Wie selbstverständlich ging ich noch als bereits Erwachsene davon aus, dass der Tag durch das besondere Ereignis diesen Namen bekam. Erst durch mein Theologiestudium wurde mir deutlich, dass Pfingsten keine christliche Neuschöpfung ist, sondern bereits seit Jahrhunderten als das jüdische Wochenfest gefeiert wurde. Der Name Pfingsten heißt im griechischen Urtext Pentecoste, und meint den 50.Tag nach Ostern. Pentecoste wiederum war in frühjüdischer Zeit der Name für das Wochenfest Schawuot. Denn sieben Wochen und einen Tag (50 Tage) nach dem zweiten Pessachtag feierte man nach dem jüdischen Festkalender das Wochenfest, Schawuot.

Was ist der Sinn und Inhalt dieses Festes und in welchem Zusammenhang steht dieser mit dem christlichen Pfingstfest? Ursprünglich war Schawuot das zweite der drei großen Wallfahrtsfeste, die ursprünglich Ackerbaufeste waren. Das Wochenfest schloss die Getreideernte gottesdienstlich ab. Im Verlauf der Geschichte wurde es zum Fest der Einsetzung der 10 Gebote und des Bundesschlusses am Sinai. Es ist davon auszugehen, dass zur Zeit Jesu diese Verbindung bereits vollzogen war.

Das 2. Buch Mose 19,16 legt das Ereignis auf den dritten Monat nach dem Auszug aus Ägypten fest. Morgens, begleitet von Gewitterphänomenen kündigt sich die Theophanie an. Der Berg ist umgeben von Feuer und Rauch. Es geschieht ein Erdbeben.

So steht die Pfingsterzählung der Apostelgeschichte mit ihren Bildern wie Wind, Feuer, Rauch (für die Geistkraft, die der Gemeinde gegeben wird, Anm.MJ) in einer Tradition mit der Erzählung von der Sinaioffenbarung. „Vielleicht hat Lukas sagen wollen, dass Gott an Pfingsten genauso gehandelt hat, wie er es am Sinai getan hat, als er Israel das Gesetz gab“ (E.Schweizer) und mit Israel einen Bund schloss.

Diesen Text von Anke Joisten-Pruschke, leicht gekürzt von Michael Juschka, veröffentlichen wir mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers aus „Die Weisung vom Sinai und das Pfingstwunder“, Hg. ImDialog. Evang. AK für das christlich-jüdische Gespräch in Hessen und Nassau – www.imdialog.org, 3f., 1996.

Letzte Änderung am: 24.03.2019