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Paul Gerhardt

„Geh aus, meinem Herz und suche Freud in dieser schönen Sommerszeit...“ Man könnte meinen, dass der Verfasser dieser frohgestimmten Liedzeile jemand gewesen ist, dem das Leben nicht allzu viel abforderte. Aber dem ist nicht so.

Paul Gerhardt wurde am 12. März 1607 als zweites Kind in eine Gastwirtsfamilie geboren. Mütterlicherseits waren seine Vorfahren Pastoren, weshalb er streng lutherisch erzogen wurde. Wie viele Familien damals, litt auch seine Familie unter den Folgen des Dreißigjährigen Krieges.

Als Paul Gerhardt 12 Jahre alt war, starb sein Vater, die Mutter nur zwei Jahre später. So war er mit gerade einmal 14 Jahren auf sich alleine gestellt. Sein älterer Bruder wurde 1637 Opfer der Pest, die in und um Wittenberg wütete. Auch die Schar von Menschen aus dem Umland Wittenbergs, die auf der Flucht vor Hunger und Not in die Stadt flohen, ließ Paul Gerhardt nicht unbeeindruckt. Die frühen Erfahrungen von Krieg, Krankheit und Tod prägten ihn. Das spiegelt sich in seinen Liedern und Gedichten, deren Texte schlicht, eindringlich und emotional sind.

Nach dem Besuch der Fürstenschule in Grimma, zog er nach Wittenberg, um neben Theologie auch Philosophie zu studieren. Dort traf er bekannte und zu der Zeit bedeutende Professoren der Philosophie und der lutherisch-orthodoxen Lehre, die seine streng lutherische Gesinnung festigten. Außerdem weckten sie seine Freude am Dichten.

Seine Lyrik behandelt christliche Themen und Feste, die Tages- und Jahreszeiten sowie das Ehe- und Familienleben. Mit dem Adventslied „Wie soll ich dich empfangen?“ beginnt das Kirchenjahr, zu den Weihnachtsliedern zählt „ich steh an deiner Krippen hier“, „O Haupt voll Blut und Wunden“ gehört zu den Passionsliedern, während das schon zitierte „Geh aus mein Herz“ die Freude über die erwachende Natur zwischen Ostern und Pfingsten behandelt.

1643 trat Paul Gerhardt, um seinen Lebensunterhalt zu sichern, eine Stelle als Hauslehrer in Berlin an. Nebenbei übernahm er seelsorgerische Aufgaben in der Nikolaikirche. Mit seinen Liedern wollte er Menschen trösten, ihnen Mut und Hoffnung machen sowie ihr Vertrauen in Gottes Fürsorge aufbauen: „Dem Herren mußt du trauen, wenn dirs soll wohlergehen, auf sein Werk musst du schauen, wenn dein Werk soll bestehen“.

Er war tief in seinem Glauben an Gott verwurzelt und sein Glauben tröstete ihn in und trug ihn durch schwere Zeiten. 1651 wurde Paul Gerhardt als Pfarrer nach Mittenwalde berufen. Die ersten Jahre in der vom Krieg zerstörten Gemeinde waren sehr einsam. So nutzte er die Zeit und schrieb viele seiner Passionslieder. 1655 heiratete er Anna Maria Berthold, eine Tochter des Kammergerichtsrats, in dessen Familie er als Hauslehrer gearbeitet hatte. Die Ehe galt als überaus glücklich, war aber nicht frei von Leid. Vier ihrer fünf Kinder starben bereits früh.

Auch als er später seine Anstellung als Kantor an der Nikolaikirche wegen Glaubensdifferenzen mit dem Großen Kurfürst verlor und seine Frau starb, verzweifelte Paul Gerhardt nicht, sondern nahm sein Schicksal an. Seine Lieder zeugen davon, wie er das Elementare des Glaubens mit dem Elementaren der menschlichen Existenz vereinte:

„Unverzagt und ohne Grauen, soll ein Christ, wo er ist, stets sich lassen schauen. Wollt ihn auch der Tod aufreiben, soll der Mut dennoch gut und fein stille bleiben“. Weiter heißt es in dem Lied „Warum sollt ich mich denn grämen?“: „kann uns doch kein Tod nicht töten... und macht Bahn, da man kann gehen zu Himmelsfreuden“. Sein Körper verließ diese Welt zu den himmlischen Freuden am 7. Juni 1667, sein Geist und seine Lieder sind heute noch lebendig.

Beatrix von Foerster

Letzte Änderung am: 15.11.2019