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Das Glaubensbekenntnis

„Ich glaube an Gott, den Vater“. Jeden Sonntag sprechen wir im Gottesdienst ein Glaubensbekenntnis, meistens mit den Worten des apostolischen Glaubensbekenntnisses.

Das apostolische Glaubensbekenntnis entstand im 5. Jahrhundert, zu einer Zeit, als Bekenntnisse noch die Aufgabe hatten, sich gegen „falsche“ Glaubensaussagen abzugrenzen. Dieser Aspekt ist heute in den Hintergrund getreten.

Heute ist das Glaubensbekenntnis eher Symbol für Identität und Tradition der christlichen Kirche. Wir bekennen, an den einen Gott zu glauben, der alles geschaffen hat, sowie an Jesus Christus, seinen Sohn, und den Heiligen Geist, als Zeichen der Gottesnähe. Obwohl das Glaubensbekenntnis mit den Worten „ich glaube“ beginnt, ist es kein individuelles Bekenntnis. Vielmehr ist man beim Sprechen mit all denen verbunden, die den gleichen Glauben bekennen. So steht heute beim Glaubensbekenntnis der Gedanke der Gemeinschaft im Vordergrund. Wir sind Teil einer Gemeinde, die ein ähnliches Fundament hat, ähnliche (Glaubens)werte, gemeinsame Riten und Feste, Gemeinschaft lebt und das über Landesgrenzen hinweg.

Das Glaubensbekenntnis ersetzt nicht die Auseinandersetzung mit der Frage nach der Kirche und der Bibel. Aber die Bibel ist ein weites Feld. Sie ist voller Erzählungen, Gleichnisse, Personen und Schauplätze. Ein Glaubensbekenntnis hingegen ist kurz. Es enthält zum Beispiel nichts zu Jesu Wundern oder dem Auszug der Israeliten aus Ägypten. Es spricht nur das aus, was für den Glauben wesentlich ist. Es ist der Kern des Glaubens.

Ein Glaubensbekenntnis grenzt aber auch ab. Wenn wir uns dazu bekennen, dass Jesus unser Erlöser ist, kann kein anderer unser Erlöser sein. Diese Haltung hat vielen Christen im Dritten Reich Probleme eingebracht. Dietrich Bonhoeffer setzte sich zur Jahreswende 1942/43 mit dem Glauben auseinander. Er schrieb: „Ich glaube, dass Gott aus allem, auch dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will … Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstand geben will, wie wir brauchen … In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein.“ In seinen eigenen Worten formuliert er, was das Wesen von Glaubensbekenntnissen ist: auszudrücken, woran wir uns halten und worauf wir vertrauen können.

Glaubensbekenntnisse laden uns ein, über Inhalte des Glaubens und Bekennens ins Gespräch zu kommen. Uns darüber auszutauschen, was wir als Kernpunkte unseres Glaubens sehen, wo wir zweifeln und unsicher sind. Nachzufragen nach dem, was wir glauben können, möchten und dürfen und dies auch in eigenen Worten zu tun, um gedanklich unser eigenes Bekenntnis zu formulieren. Damit wir im nächsten Gottesdienst nicht floskelhaft, sondern aus uns selbst heraus: „Ich glaube an Gott, den Vater …“ sprechen.

Beatrix von Foerster

Letzte Änderung am: 15.11.2019