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Ewigkeitssonntag

Zehn Jungfrauen warten auf einen Bräutigam, um ihn in sein Haus zu begleiten, wo das Hochzeitsfest stattfinden soll. Der Bräutigam kommt lange nicht. Allmählich ist das Öl in den Fackeln aufgebraucht. Fünf haben vorgesorgt und können nachfüllen, die anderen nicht. Teilten die zehn Jungfrauen das Öl, würde es nicht reichen, um den Bräutigam im Fackelschein nach Hause zu begleiten. Ankommen ohne Licht wäre jedoch ein böses Omen für eine junge Ehe. So gehen die fünf Jungfrauen, die vorgesorgt hatten, mit dem Bräutigam, die anderen müssen erst noch neues Öl besorgen. Als sie später an die Haustür des Bräutigams klopfen, weist er sie ab, weil er sie nicht kennt.

Das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen aus dem Matthäus-Evangelium (25, 1-13) thematisiert die Erwartung des Jüngsten Tages. Wir wissen weder den Tag noch die Stunde, aber das Gleichnis lehrt uns, bereit zu sein. Das ist die Botschaft des letzten Sonntags im Kirchenjahr, dem Ewigkeitssonntag, umgangssprachlich oft auch Totensonntag genannt. König Friedrich Wilhelm III. von Preußen erklärte 1816 den letzten Sonntag des Kirchenjahres im Gedenken an die Gefallenen der Befreiungskriege zum Feiertag. Er ist das evangelische Pendant zu Allerseelen in der katholischen Kirche. Im Gottesdienst werden die Namen der Verstorbenen vorgelesen, eine Kerze angezündet, um das Gedächtnis zu wahren, einen geborgenen Ort für die Trauer zu haben und um zu beten.

Der Ewigkeitssonntag fällt in eine dunkle Zeit. Die Bäume sind fast kahl, das Laub klebt auf dem gefühlt immer feuchten Pflaster und das Licht ist fahl. Eine Zeit, in der trübe Gedanken häufiger sind als in den lichten Sommermonaten, in der wir uns eher wir die fünf Jungfrauen fühlen, die nicht mehr zum Fest durften und sich die Musik von draußen anhören mussten. Es ist die Zeit, in der Menschen eher zweifeln. Sie sollen leuchten und haben das Gefühl, es nicht zu können. Sie sollen Wegweiser sein und fragen sich, ob sie auf dem richtigen Weg sind. Wir wissen, dass wir auf unsere Ölvorräte achten sollen und schaffen es dennoch nicht. Menschen spüren ihre Grenzen und ihre Endlichkeit. Es ist die Zeit, in der uns unsere Sterblichkeit bewusst wird. Durch die Kerze, die wir für Verstorbene anzünden, fällt ein Lichtschein in unsere Trauer. Hoffnung auf eine Kraft, die uns hilft, unsere Ängste zu überwinden. Diese Kraft kann unser Glaube an Gott, der uns hält, sein. Kerzenlicht, das uns einen Weg aus der Trauer zeigt. Der Name Ewigkeitssonntag verdeutlicht, dass der Tod nicht als Endstation verstanden, sondern in der Perspektive der Hoffnung auf die Auferstehung gesehen wird. Auf den Ewigkeitssonntag folgt der 1. Advent, also die Zeit, die uns auf Jesu Geburt einstimmt. Eine Zeit voll Licht und Glanz. So wie auch eine Hochzeit ein Fest voll Licht und Glanz ist. Ganz sicher werden die fünf Jungfrauen das nächste Mal, wenn sie auf einen Bräutigam warten, genügend Öl dabeihaben, um nicht wieder abgewiesen zu werden.

Beatrix von Foerster

Letzte Änderung am: 15.11.2019