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Kirche für Einsteiger:

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Erntedank

Rut, eine Moabiterin hat eine beschwerliche Reise hinter sich, als sie mit ihrer Schwiegermutter bei deren entfernten Verwandten Boas in Israel eintrifft. Jung verheiratet, verlor sie ihren Mann. Beide Frauen wissen nicht, wie sie ihren Lebensunterhalt bestreiten sollen. Umso dankbarer sammeln sie, Ährenreste ein, die Boas angewiesen hatte, stehen zu lassen, damit auch Bedürftige an der Ernte teilhaben konnten.

Bereits im alten Ägypten, im antiken Griechenland und im Römischen Reich brachten die Menschen ihren verschiedenen Fruchtbarkeitsgöttern Opfergaben dar als Dank für eine gute Ernte. Ebenso feierten die Kelten und German Erntefeste und dankten ihren Göttern mit Tieropfern und dem Brauen von Erntebier.

Auch im Alten Testament wird von zwei Erntefesten berichtet. Zur Weinernte im Mai/Juni wurde Schawout gefeiert, im September/Oktober zur Getreideernte Sukkat. Sukka bedeutet im Hebräischen Hütte. Im Laufe der Jahrhunderte wandelte sich Sukkat von einem reinen Erntefest zu einem Fest, das auch an die Geschichte der Israeliten erinnerte. Während der Tage des Laubhüttenfestes sollen Juden nach Möglichkeit in Laubhütten ziehen, um sich die Vergänglichkeit materieller Güter bewusst zu machen und sich auf die Gaben Gottes zu besinnen.

Die Besinnung ist auch ein wesentlicher Bestandteil des christlichen Erntedankfestes, das in Deutschland meistens am ersten Sonntag im Oktober gefeiert wird. Anders als Weihnachten oder Ostern ist Erntedank kein Fest, das auf einem Erlebnis in Jesus Leben basiert. Dennoch spielt es eine wichtige Rolle in der christlichen Kirche. Auch wenn die Modernisierung der Landwirtschaft dazu beigetragen hat, dass Aussaat, Reife und Ernte an Bedeutung verloren, weil die meisten Obst-und Gemüsesorten ganzjährig zur Verfügung stehen, erinnert es die Menschen an ihre Verantwortung gegenüber der Umwelt, insbesondere seit Klimawandel, Globalisierung, Umweltverschmutzung, Massentierhaltung oder die Verschwendung von Lebensmitteln unsere Natur bedrohen. Erntedank ist aber dennoch ein Fest, das bei aller Besinnung zum fröhlichen Danken und Teilen einlädt.

Als Rut die Ähren auf dem Feld einsammelt, fällt sie Boas auf. Er ist tief beeindruckt von ihrer Treue zu ihrer Schwiegermutter. Sie ist ihm dankbar, dass er sie als Fremde nicht zurückwies, sondern Ähren sammeln ließ. Schließlich heiraten die beiden. Die Wahrscheinlichkeit, dass Erntedank in einer Hochzeit endet, ist natürlich sehr gering, aber Erntedank ist allemal Anlass genug, an etwas Gutes zu denken, das wir erlebt haben und dafür dankbar zu sein!

Beatrix von Foerster

Letzte Änderung am: 01.03.2022