Zur Hauptnavigation springen Zur Suche springen Zum Inhalt springen
RSSPrint

Auferstehung

Miriam steht im Stall. Vorsichtig horcht sie am Ei. Nichts rührt sich. Wie ein toter Stein liegt das Ei in ihrer Hand. Sie legt es in das Nest zurück. Schade, sie hat sich so auf das Küken gefreut. „Komm, wir müssen gehen“, ruft die Mutter. Es ist früh am Morgen. Miriam hilft den Frauen, die Salben zur Felshöhle hinauszutragen, wo Jesus begraben liegt. Die Frauen erreichen das Grab, das in den Felsen gehauen ist. Miriam bemerkt es als erste: „Das Grab ist leer!“ „Was hat das zu bedeuten“, fragen sich verwundert die Frauen. Wurde der Leichnam Jesu gestohlen? Die Kinder suchen in den Felsspalten, Höhlen und Brunnen. Da kommt Miriam aus dem Stall. „Ich weiß, was es zu bedeuten hat“, sagt sie. Die Frauen, Männer und Kinder folgen ihr. Alle schauen sie in das Nest. Das Ei liegt aufgebrochen da, es ist leer, ein Küken ist geschlüpft. „Jesus lebt“, sagt Miriam.

Für Miriam aus dieser Ostergeschichte ist es ganz einfach: das Küken hat seine eine Daseinsform verlassen und eine andere angenommen und das Gleiche gilt für Jesus. Er lebt und ist auferstanden. Hier entstand der Auferstehungsglaube. Jesus blieb nicht in seinem Grab, sondern stand wieder auf. Viele Jünger sahen Jesus. Davon berichtet der Apostel Paulus in seinem ersten Brief an die Gemeinde von Korinth. Jesus wurde gesehen ist ganz wörtlich zu verstehen. Es bedeutet eben nicht, dass sich manche Menschen seine Rückkehr so sehr wünschten, dass sie es für wahr hielten. Und auch nicht, dass sie in ihren Berichten etwas übertrieben, um anderen Mut zu machen. Es ist unwahrscheinlich, dass sich die Apostel die Begegnung mit Jesus ausdachten. Sie alle mussten für ihren Glauben den Märtyrertod sterben und das tut man nicht für eine Fiktion. Die Auferstehung ist der Dreh- und Angelpunkt des Glaubens. So viele Zeugen und doch ist die Auferstehung nicht ganz zu fassen. Naturwissenschaftlich lässt sie sich weder belegen noch widerlegen. Die Naturwissenschaft kann nur Aussagen über Phänomene machen, die sich wiederholen. Die Auferstehung aber ist einzigartig, da sie allein von Gott bewirkt ist. Der Theologe Karl Barth spricht von einem Offenbarungsgeschehen.

Wer die Auferstehung überprüfen will, gerät in einen unauflösbaren Widerspruch. Die Berichte der Zeugen sind historisch glaubwürdig, aber ihre Erfahrungen sind einmalig, nicht wiederholbar und für Unbeteiligte kaum zu verstehen. Das Entscheidende ist, dass Jesus wieder lebendig wurde. Die Ostergeschichte kann nur erzählt werden, weil Jesus den Menschen wieder begegnet ist. Es gibt also mehr als Tod, Gewalt und Leid. Die Menschen, die Jesus suchten, haben ihn lebend gefunden. Es gibt keine Beweise für die Auferstehung. Keiner hat sie mit seinen Augen gesehen. Aber, sehen wir nicht auch mit dem Herzen? Und dann gibt es genügend Hinweise für die Auferstehung. Spüren wir nicht auch manchmal die Nähe von Menschen, die eigentlich nicht mehr unter uns sind? Sie sind uns nahe, obwohl wir sie nicht sehen. Und daran können wir glauben. Dann ist es für uns so klar wie für Miriam.

Beatrix von Foerster

Letzte Änderung am: 28.04.2019