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Jahresthema 2019: Kirchen bleiben Kirchen

In sich ändernden Zeiten Gotteshäuser für die Zukunft erhalten und bewahren

Fürstenwalde - Kienitz - Laubst - Zeestow - …

RSSPrint

„Kirche Plus“ im Dorf Laubst bei Cottbus –
„Eine Begegnungsstätte für alle Bürger, Vereine und Interessengemeinschaften des Dorfes und der Region“ –
so ist das Projekt überschrieben, mit dem wir die Kirche retten konnten.

Seit 2003 bin ich in der Ev. Kirchengemeinde Leuthen-Schorbus, südlich von Cottbus gelegen, für vier Kirchen (in Leuthen, Schorbus, Laubst und Illmersdorf) und damals 500 Gemeindeglieder (heute 350) zuständig. Zu dem Zeitpunkt klaffte im Kirchenschiff in Laubst ein ca. 10 m² großes Loch im Dach. Man sah den Himmel. Das war die Ausgangssituation: ein riesiger Investitionsstau und fehlende finanzielle Mittel, um die Kirche instand zu setzen, Spätfolgen des Gesetzes der DDR-Regierung, dass in Dörfern, die im
Bergbauschutzgebiet lagen und abgebaggert werden sollten, nicht investiert werden durfte. Zudem kamen nur drei oder vier Menschen zu einem normalen Sonntagsgottesdienst.

Konnten/Sollten wir die Kirche erhalten? – so fragten wir uns im Gemeindekirchenrat, zumal nur wenige Kilometer entfernt drei weitere, historisch wertvolle Gotteshäuser zur Verfügung stehen.

2012 musste die Turmhaube abgenommen werden, da der Turm einsturzgefährdet war. Ein Turm „oben ohne“ – das geht gar nicht, fanden die Leute im Dorf. Über das gemeinsame Ziel der Erhaltung der Kirche kamen sich Kirchengemeinde, Jagdgenossenschaft und Traditionsverein näher. Im Laufe der Zeit entwickelte sich ein Vertrauensverhältnis, und eine gute Ausgangssituation entstand, das Projekt gemeinsam anzupacken.

Für den Aufbau eines Kirchturmes gab es keine öffentlichen Gelder, wohl aber für Gemeinwesenarbeit im Dorf. Da war das Projekt „Kirche Plus“ geboren: Die Kirchengemeinde öffnet die Kirche als Raum zur Begegnung und für Veranstaltungen im Dorf. Dank des Engagements Vieler vor Ort, in Politik, Kirche und Gesellschaft erhielten wir Europäische Fördermittel für landwirtschaftliche Entwicklung zur Umsetzung des Projekts.

So konnte 2017 der Turm komplett abgetragen, dann wieder aufgebaut und mit einer neuen Turmhaube und Wetterfahne versehen werden. In der Sakristei ist eine Küche sowie in einem Anbau eine behindertengerechte Toilette und ein Lagerraum entstanden. Am 26. August 2018 konnten wir in einem Festgottesdienst die Kirche Laubst als „Kirche Plus“ in den Dienst nehmen.

Neben den regelmäßigen Gottesdiensten zu Weihnachten, zu Ostern und zum Erntedankfest, der Hubertusmesse und Konzerten finden nun auch die Adventsfeier der Senioren des Dorfes, die jährliche Mitgliederversammlung der Jagdgenossenschaft und das Projekt von O bis O in der Kirche statt (von Oktober bis Ostern treffen sich die Frauen des Dorfes, um gemeinsam Plinse oder Plätzchen zu backen, zu basteln und Handarbeiten zu machen).

Trauerfeiern, auch weltliche, können im Kirchenschiff, dem einzigen großen Raum im Dorf, durchgeführt werden. Die Laubster Kirche ist aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht. Der besondere Ort regt zum Nachdenken über die christliche Botschaft an. Die Dorfbewohner, Christen- und Bürgergemeinde, kommen ins Gespräch und feiern gemeinsam.

Einige Gemeindeglieder haben für ihren Ort neu Verantwortung im Gemeindekirchenrat übernommen, denn ganz ohne Christen funktioniert das Miteinander im Begegnungszentrum nicht. Ergänzend zum Satz „Die Kirche gehört ins Dorf“ möchte ich hinzufügen: „Das Dorf gehört in die Kirche“.

Das, was ich mir als gebürtiger Großstädter (Charlottenburger) damals nicht vorstellen konnte, habe ich als großen Schatz und Bereicherung erlebt: Man kann im Dorf gut leben, zumindest solange, wie man noch Auto fahren kann oder nette Nachbarn hat, die einen mit zum Einkaufen nehmen oder zum Arzt fahren. Die Menschen, gerade in den Dörfern, sind mir lieb geworden.

Kommen Sie doch mal vorbei. In gut anderthalb Stunden können Sie Laubst mit dem Auto erreichen. Am 26. Mai wird von 15:00 – 18:00 Uhr die „Erlebnis Kirche“ bei uns Station machen, ein Gottesdienst für die ganze Familie mit anschließendem Picknick. Nähere Informationen unter:

www.evkirchenkreis-cottbus.de bzw. www.kirchengemeinde-leuthen-schorbus.de.

Robert Marnitz, Pfarrer der Kirchengemeinden
Cottbus-Süd & Leuthen-Schorbus


Bildnachweis:

© Robert Marnitz

Letzte Änderung am: 05.05.2019