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Jahresthema 2019: Kirchen bleiben Kirchen

In sich ändernden Zeiten Gotteshäuser für die Zunkunft erhalten und bewahren

RSSPrint

Der Ehrenamtlichenausflug führte uns in diesem Jahr in die Kirche von Müncheberg. Kurz vor Ende des Krieges war sie bis auf die Umfassungsmauern ausgebrannt und überdauerte dann als Ruine die DDR-Zeiten. Nach der Wende gründeten engagierte Menschen einen Verein zur Wiedererrichtung der Kirche. Zusammen mit der Stadt und der Kirchengemeinde entwickelten sie ein tragfähiges Konzept für die Nutzung der Kirche. Das Ergebnis ihrer Bemühungen konnten wir nun staunend erleben: ein großes altes Kirchengebäude, in dem seit 1997 neben dem traditionellen Gottesdienstraum die Stadtbibliothek und ein Versammlungsraum eingerichtet worden sind. Hier treffen sich Menschen zum Gottesdienst, zu Versammlungen, Vorträgen, Filmvorführungen, Konzerten, Zeugnisübergabe, Buchausleihen - weltliche und kirchliche Nutzung werden unter einem Dach vereint.

Dieses Erlebnis regte die Redaktion an, weitere Beispiele für veränderte Nutzungen von Kirchengebäuden in unserer Landeskirche zum Schwerpunktthema des Gemeindeblatts für das kommende Jahr zu machen. Denn wie hier in Müncheberg sieht es ja in der gesamten Landeskirche aus. Seit die Kirche nicht mehr Volkskirche in dem Sinne ist, dass ihr mehr oder weniger alle Bürger angehören, fällt es vielen Gemeinden schwer, ihre Kirchen zu erhalten. Im Bereich der EKBO gibt es mehr als 1.900 Kirchen und Kapellen, die Kirchenmitgliedschaft liegt - auf die gesamte Landeskirche gesehen - nur noch bei rund 16 %. Da liegt die Frage auf der Hand: wie können Kirchen in sich ändernden Zeiten als Gotteshäuser für die Zukunft bewahrt werden? Diese Frage interessiert auch Menschen, die nicht religiös gebunden sind. Sie empfinden Kirchen als zu ihrem Ort gehörig und sind bereit, sich für ihre Erhaltung einzusetzen. Denn Kirchen sind oft Wahrzeichen in ihrem Ort, Zeichen des Glaubens über viele Generationen; sie geben Raum für Gemeinschaft, für Besinnung und innere Zwiesprache.

Es war nicht schwer, Beispiele für solche Kirchen zu finden: so wollen wir u.a. die Kirche in Rieben vorstellen, die von der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler mit dem Preis für innovative Nutzung von Kirchen ausgezeichnet wurde, oder den Dom zu Fürstenberg, bei dem „die Symbiose von Neu und Alt, von Gotik, Barock und Moderne, von zeitgemäßer Funktionalität und Bewahrung historischer Substanz in beeindruckender Weise gelungen ist“ (www.kirche-fuerstenwalde.de) oder die Autobahnkirche in Zeestrow, die seit Beginn der 1980er Jahre nicht mehr für Gottesdienste genutzt worden war und nun eine neue Aufgabe gefunden hat, oder das „Haus am Strom“, für das die Einwohner mehrerer Dörfer an der Oder sich zusammen getan haben, um eine „Kirche“ zu bauen.

Es gibt natürlich auch Beispiele, wo ein Kirchgebäude für ganz andere Zwecke genutzt wird, so z.B. die Eliaskirche in Prenzlauer Berg, die seit 2003 zur langfristigen Nutzung an das MACHmit! Museum für Kinder verpachtet worden ist. Oder die Kirche am Buschgraben in unserem Kirchenkreis. Sie wurde bei der Fusion der Gemeinde mit der Gemeinde Schönow als Evangelische Kirche aufgegeben und der Berliner Orthodoxen Kirchengemeinde St. Georgios als Gemeindezentrum zur Verfügung gestellt. Aber es gibt auch ein Beispiel in umgekehrter Richtung: in Kleinmachnow ist im Sommer ein völlig neu errichtetes Gemeindehaus mit Kirchsaal eingeweiht worden, weil die Kirche am Jägerstieg für die wachsende Gemeinde zu klein geworden war.

So wollen wir im kommenden Jahr ein breites Spektrum von Kirchen ausbreiten, die Kirchen geblieben, aber neue Aufgaben übernommen haben. Vielleicht ergibt sich ja dann auch später die Gelegenheit, die eine oder andere bei einem Ausflug zu besuchen.

Gisela Krehnke

Letzte Änderung am: 05.12.2018