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RSSPrint

Ein „vergeigtes Reformationsjubiläum“?

24.01.2018

19:30 Uhr im Gemeindehaus : Vortrag und Gespräch mit Professor Heinz Schilling

Klärungsversuch eines Allgemeinhistorikers

Dazu schreibt Heinz Schilling, der Autor der Bücher „Martin Luther, Rebell in einer Zeit des Umbruchs“ und „1517: Weltgeschichte eines Jahres“:

Während die Kirchenoffiziellen und ihnen verbundene Wissenschaftler bereits vor Ende des Reformationsjubiläums frohgemut eine rundum positive Bilanz des weitgehend performativ geprägten 500. Jubiläums zogen, sprechen die Medien längst von einem „Flopp“ (u.a. FAZ). Irritierender noch, die Reaktionen im Kreis der Reformationssachverständigen. Sie ist durch eine tiefe Entfremdung und sachlich begründete Enttäuschung geprägt. So spricht der Vorsitzende des Vereins für Reformationsgeschichte – die weltweit führende wissenschaftliche Vereinigung zur Erforschung „der Reformation und ihrer Weltwirkungen“ – von einem „vergeigten Reformationsjubiläum“ und führt das stimmig auf die Wissenschaftsferne, ja bewusste Abwertung der reformatorischen Fachwissenschaft durch den in der EKD für Konzeption und Durchführung des Jubiläums zuständigen Vizepräsidenten zurück.

Wie ist dieser Abgrund zwischen Reformationsforschung und kirchenoffizieller Gestaltung zu bewerten, der dem protestantischen Führungsanspruch in Fragen wissenschaftlicher Rationalität diametral entgegensteht? Welche Folgen wird das für die längerfristige Wirkung der so vielschichtigen und kostenintensiven 500. Reformationsfeierlichkeiten haben? Wird nur das, was von den Reformationsgeldern in Glas und Stein gebaut wurde, Bestand haben?

Wurde die Chance einer von den Wurzeln reformatorischer, insbesondere Luther’scher Theologie und Religiosität ausgehenden spirituellen Erneuerung vertan? Geopfert dem angepassten Zeitgeist, der ohne historische Tiefenschärfe Gefahr läuft, die Zukunft zu verfehlen?

Neben diesen für den geistig-religiösen Ertrag zentralen Fragen gilt es auch die Prägung und Akzentsetzung durch die Politik zu bedenken sowie deren längerfristigen Ertrag für die Zivilgesellschaft. Welche Erkenntnisse, welchen Sinn brachte das 10jährige Jubiläumsgeschehen der „westlichen“ Zivilgesellschaft, die sich gerade im Moment des Reformationsjubiläums einem mit der Situation vor 500 Jahren vergleichbaren Wandel ausgesetzt sieht? Mehr noch - einer Krise, die den Selbstwert des angeblich aus der Reformation erwachsenen „Westens“ mit seinen „westlichen Werten“ im Mark erschüttert - nicht zuletzt durch irritierende Entwicklungen in Kirchen und Religion.


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