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Die Kirchenfenster der Johanneskirche

Moderne Fenster für eine moderne Neugestaltung der Kirche.

Bei der Neugestaltung des Innenraums Ende der 50er Jahre mussten viele Schmuckelemente der Kirche den glatten, klaren Formen weichen. Das bot die Möglichkeit, durch besonders gestaltete Fenster neue Akzente zu setzen.

Nach dem Krieg hat die Gemeinde Schlachtensee viele Jahre mit den Zerstörungen der Kirche leben müssen. Mitte der 1950er Jahre begann der damalige Gemeindekirchenrat, sich mit der Renovierung der Kirche zu beschäftigen. Er hat sich für eine Neugestaltung des Innenraums im Zeitgeschmack entschieden. Damit wurde deutlich, dass die Kirche nicht in ihren Originalzustand aus dem Jahr 1912 versetzt würde. Zu der umfangreichen Neugestaltung des Innenraums gehörten auch neue Fenster.

Der Gemeindekirchenrat beauftragte den Düsseldorfer Graphiker und Künstler E. O. Köpke mit der farbigen Gestaltung der Fenster. Zunächst schuf er 1957-58 die Fenster in der Kirche und im Mahnmalraum, später kamen die besonders abstrakten Fenster in der Sakristei (das linke ist unten zu sehen) und die kleinen Fenster im Aufgang zur Orgel dazu.

Die Fenster in Mahnmalraum stellen die vier apokalyptischen Reiter aus der Offenbarung dar, Reiter auf einem weißen, feuerroten, schwarzen und fahlen Pferd. Sie symbolisieren Gerechtigkeit, Krieg, Hunger und Tod. Die harte Thematik der Fenster steht in Bezug zur Nutzung des Raumes als Gedenk- und Mahnort für die beiden Weltkriege.

Für die Fenster im Kirchenschiff wählte E. O. Köpke Worte aus dem Johannes­evangelium, die Aussagen zu Jesus Christus machen. Damit interpretieren die Fenster den Namen der Kirche auf ihre Weise. Das Bild zeigt das dritte Fenster von links. Es stellt Ähren, Trauben und einen Kelch dar und bezieht sich auf zwei Worte Jesu: »Ich bin das Brot des Lebens«, »Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben«.

Das blaue Fenster aus der Sakristei ist weniger gegenständlich. Pfarrer Manfred Karnetzki hat es als eine »Aussage über Glaube und Zweifel« verstanden: Im kühlen Blau findet sich leuchtendes Rot als Glaube, der das Leben anhaucht. Die harten schwarzen Linien stünden für eine „fressende Spur des Zweifels, der bis ans Herz dringt“.

Warum die Gemeinde sich vor sechzig Jahren für eine so schwerlastige Gestaltung der Fenster entschied, ist heute nicht einfach nachzuvollziehen. Die Texte, die 1912 für die Bemalung der Empore ausgesucht wurden, sprechen eine andere Sprache. So sind in der Kirche Spuren dessen zu finden, was die verschiedenen Gemeindegenerationen getragen und bewegt hat.

Letzte Änderung am: 02.07.2015