Zur Hauptnavigation springen Zur Suche springen Zum Inhalt springen
RSSPrint

Jahresthema 2018:

Pflanzen in Bibel und Koran

in jüdischer, christlicher und islamischer Tradition

Paradiesgärtlein, Oberrheinischer Meister, ca. 1415

Die Arbeit mit Flüchtlingen seit 2015 hat allerlei Spuren hinterlassen. So existiert seit dem Sommer 2016 rund um die Apsis unserer Johanneskirche ein Bibel-Koran-Garten. Anlass, ihn anzulegen, waren Sprachunterricht und Integrationsarbeit mit eritreischen Flüchtlingen, die auch selbst Hand anlegen wollten. Die Entdeckung dabei war, dass Bibel und Koran ihren gemeinsamen Ursprung und ihre kulturelle Prägung im Nahen und mittleren Vorderen Orient haben und mehr Gemeinsamkeiten aufweisen als wir es uns gemeinhin vorstellen. Das gilt folglich für Judentum, Christentum und Islam. So wollen wir im kommenden Jahr mit Bild, Text und gelegentlich einem Rezept (z.B. Dattelkuchen!) in diese Welt einsteigen, angeleitet von Kennern aus den verschiedenen Bereichen.

Wir lernen dabei Wildpflanzen aus eher trockenen, wüstenhaften Regionen kennen und die lebenswichtigen Kulturpflanzen, die an Quellen und anderen Gewässern gedeihen. Ihr bevorzugter Ort ist der Garten, hebräisch „gan“, zu verstehen als eingefriedeter Ort mit Schutzmauer und Zaun zum Schutz gegen wilde Tiere und Diebe, - zu denken ist an den „Turm im Weinberg“ oder die „Nachthütte im Gurkenfeld“ bei Jesaja 1,8. Der große, wunderbare Garten ist das Paradies, biblisch mit den vier Strömen, die ihn bewässern (1.Mose 2). Von realen Gärten ist in der Bibel oft die Rede.

Ganz anders, symbolisch im Hohelied: „Ein verschlossener Garten bist Du, meine Schwester, liebe Braut...Du bist wie ein Lustgarten voller Granatäpfel“ (Hoheslied 4,12f.).

In der christlichen Kunst findet sich das Gartenmotiv, dann mit mariologischer Bedeutung; so auf dem abgebildeten Gemälde um 1400, heute im Städelmuseum in Frankfurt. Es zeigt den eingefriedeten Garten, den ‚Hortus seclusus‘ mit der betenden Maria, dem musizierenden Jesuskind umgeben von Engeln und Heiligen, unter ihnen Georg, der Drachentöter. Wir finden auch wundervoll naturalistische Darstellungen von Tieren und Pflanzen, unter ihnen sind Akelei, Kirsche, Veilchen, Lilie, Astern und Levkoje zu erkennen. Der abgezäunte Garten mit Maria ist Zeichen für ihre Jungfräulichkeit.

Im Spannungsfeld zwischen symbolischem Garten und realer Pflanzenwelt wollen wir uns im kommenden Jahr bewegen. Eine Erinnerung für Reisende nach Israel und Palästina: gerne werden dort Pilgern und Touristen auf Karten aufgeklebte „Flowers from the Holy Land“ verkauft oder geschenkt, deren Farben sind allerdings meist etwas abgeblasst. Wir möchten Sie 2018 mit einem frischen, bunten Strauß aus Bibel und Koran erfreuen.

Peter Welten

Letzte Änderung am: 24.11.2017